Geräusche (III): Sehnsuchtsstille

Sven Linnartz ist von dem Geräusch-Thema offenbar so angetan, dass er uns einen zweiten Kurztext geschickt hat.

Sehnsuchtsstille

Quälend langsam rinnt der Tropfen von der Decke herab. Ich sehe, wie er sich formt, betrachte die vollendete Schönheit und sehe ihn fallen. Wie in Zeitlupe nähert er sich meinem Gesicht, schwebt scheinbar für einen unendlich langen Moment in der Luft, bis er schließlich mit lautem Krachen auf meiner Stirn landet. So wie tausende Tropfen vor ihm. Das Geräusch dröhnt wie ein Donnerschlag in meinen Ohren. Ich bin gefesselt, habe seit einer Ewigkeit weder geschlafen noch etwas gegessen. Ich hoffe, dass die, die nichts von mir erfahren werden, mich sterben lassen, damit endlich wieder Ruhe einkehrt.

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One Response to Geräusche (III): Sehnsuchtsstille

  1. Lili says:

    Unwillkürlich muss ich über die Situation dieser Person nachdenken.
    In welcher Zeit lebt sie? Wo befindet sie sich? Was veranlasst sie so zu
    denken wie sie denkt?, … Aber die Gefühle dieser Person sind nicht fraglich.
    Ich kann richtig spüren wie es ihr geht.
    Genial!

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