Storyolympiade zeichnet ihre Sieger aus

Storyolympiade 2015/2016 Preisverleihung Buchmesse CON, v.l.n.r. Tatjana Stöckler (Moderation), Günter Wirtz (1. Pl.), Michael Edelbrock (3. Pl.), Daniel Huster (3. Pl.), Joachim Tabaczek (2. Pl.), Torsten Low (Verleger) und Martina Sprenger (Ehrungsmanagement)

Storyolympiade 2015/2016 Preisverleihung BuchmesseCon, v.l.n.r. Tatjana Stöckler (Moderation), Günter Wirtz (1. Pl.), Michael Edelbrock (3. Pl.), Daniel Huster (3. Pl.), Joachim Tabaczek (2. Pl.), Torsten Low (Verleger) und Martina Sprenger (Ehrungsmanagement)

Dreieich. Medaillen in Gold, Silber und Bronze gab es für die Gewinner der Storyolympiade 2015/16 auf dem Buchmesse-Convent in Dreieich. Ausgezeichnet wurden der Erstplatzierte Günter Wirtz, der Zweitplatzierte Joachim Tabaczek sowie Daniel Huster und Michael Edelbrock, die in der Punktewertung gleichauf lagen und sich den dritten Platz teilen. Für den Goldmedaillengewinner gab es zusätzlich eine Siegertrophäe, alle vier Gewinner erhielten einen Büchergutschein vom Verlag Torsten Low und die dort druckfrisch erschienene Anthologie mit den 24 besten Beiträgen zum Wettbewerb.

Günter Wirtz sorgte diesmal für eine Premiere der besonderen Art. Der Autor hatte bereits bei der Storyolympiade 2013/2014 gewonnen, die unter dem Motto „Stille“ stand. Er ist der erste Teilnehmer, der zweimal die Goldmedaille errang.

Die Storyolympiade ist ein internationaler Literaturwettbewerb für deutschsprachige fantastische Literatur. Zur Teilnahme berechtigt sind nur Autorinnen und Autoren, die noch kein eigenständiges Buch veröffentlicht haben. Begründet wurde die Storyolympiade im Jahr 1999 und wurde seither zwölfmal ausgeschrieben, zunächst jährlich, seit 2005 im Zweijahresrhythmus. In den Jahren 2015 und 2016 lautete das Thema „Labyrinthe“, und 219 Kurzgeschichten-Autoren aus sechs Ländern reichten ihre Werke dazu ein.

Bild von Günter Wirtz

Günter Wirtz

Goldmedaillengewinner Günter Wirtz stammt aus Wilnsdorf. Der 50-Jährige ist verheiratet, hat zwei Töchter und einen Hasen und arbeitet als Lehrer für Deutsch und Spanisch an einem Gymnasium. Seine Geschichte „Krickel“ setzte sich mit einer Jurywertung von 160 Punkten deutlich gegen die Mitbewerber durch. Sie handelt von einem Jungen, der mit seinem Käfer an einem Wettkampf teilnimmt. Zwei Teilnehmer setzen ihre Käfer in einem kleinen Labyrinth ab und wetten, wessen Tier als erstes den Ausgang findet. „Die Idee kam mir durch ein Sommerfest, bei dem Käfer gegeneinander in einem Labyrinth-Rennen angetreten sind“, erzählt der Lehrer, der am Wilnsdorfer Gymnasium Deutsch und Spanisch unterrichtet.  „Diese Erinnerung habe ich mit der philosophischen Frage kombiniert: Ist der Mensch ein Marionettenspieler, der das eigene Leben an seinen Fäden hält, oder sind wir Puppen, die von einer höheren Instanz dirigiert werden. Was also, wenn wir selbst Käfer in einem Labyrinth sind, ohne es zu wissen.“

Bild von Joachim Tabaczek

Joachim Tabaczek

Silbermedaillengewinner Joachim Tabaczek erzielte mit seiner Geschichte 146 Punkte – ein denkbar knappes Ergebnis, denn die beiden Drittplatzierten erhielten jeweils 145 Punkte für ihre Beiträge. Joachim Tabaczek lebt in Bardenberg bei Würselen und ist 45 Jahre alt. Von Beruf ist er Softwarearchitekt, was vielleicht ein wenig auf seinen Beitrag abgefärbt hat: In „Wanderjahre“ erzählt er von einem Bewusstsein, das sich in einer virtuellen Welt wiederfindet. Seit Jahrzehnten irrt es von Server zu Server, doch nun ist es auf der Suche nach seinem „Original“. Ein im Cyberspace ansässiger Privatdetektiv kann vielleicht helfen … Allerdings: Ein eigenes Domizil im Internet fehlt dem Autor noch: „So etwas Neumodisches wie eine Homepage habe ich nicht. Zu meiner Zeit  bestand das World Wide Web noch aus ein paar Textseiten am CERN, mehr braucht doch kein Mensch“, sagt der Silbermedaillengewinner augenzwinkernd.

 

Bild von Daniel Huster

Daniel Huster

Bronzemedaillengewinner Daniel Huster ist 27 Jahre alt, gebürtiger Sauerländer, lebt in Dortmund und studiert in Bochum Germanistik und Literaturwissenschaft. Nebenher jobbt er als Zeitungsbote in der City. Eine Zeit lang hat er auch schon als Koch und Friedhofsgärtner gearbeitet. Für seine Horrorgeschichte „Der Flur in der 13. Etage“ in der ein knurriger, an den Höllenhund Cerberus erinnernder Portier eine wichtige Rolle spielt, stand übrigens eine reale Begegnung in Dortmund Pate: „Auf meiner Zeitungstour durch Dortmund komme ich immer wieder an einem Haus vorbei, in dem ein älterer Mann als Pförtner beschäftigt ist“, erzählt Huster. „Er nickt mir zu, trinkt Kaffee und blättert in alten John Sinclair Heftromanen. Es fällt mir unheimlich schwer, diesen Mann einzuschätzen. Freut er sich, mich zu sehen? Will er nur seine Ruhe? Was tut er eigentlich, wenn gerade niemand an seinem Schalter steht? Ist er wirklich so harmlos, wie er aussieht? Am nächsten Abend war die Story fertig.“

 

Bild der Lesung von Michael Edelbrock

Michael Edelbrock (links)

Michael Edelbrock, der zweite Bronzemedaillengewinner, wurde 1980 geboren. Er hatte durch das Rollenspiel seine ersten Begegnungen mit der Phantastik. Michael Edelbrock lebt im Kreis Recklinghausen und schreibt dort seine Kurzgeschichten sowie eine phantastische Saga in Romanform. Er hat bisher einige Kurzgeschichten veröffentlicht und hat sich an der Storyolympiade mit der Geschichte „Das Kristallgrab“ beteiligt. Sein Text ist eine Science-Fiction-Story – oder vielleicht doch eher eine zeitlose Parabel über das Streben des menschlichen Geistes. Er erzählt von einem Forscher, der in einem kristallinen Asteroiden eine Labyrinthstruktur entdeckt, in deren Zentrum er etwas erwartet, das über das menschliche Wesen hinausgeht.

Zum Auftakt des Buchmesse-Convents hatte Michael Edelbrock die Gelegenheit, seine Geschichte vorzulesen, und zog die rund 50 Zuhörer durch seine gekonnte Darbietung und die mit unterschiedlicher Sprachmelodie vorgetragenen Dialog in seinen Bann. Nach der Preisverleihung am Abend las Günter Wirtz seine Labyrinth-Geschichte vor. Auch für ihn gab es viel Beifall.

Wer die Siegergeschichten und 20 weitere ausgewählte Beiträge zur Storyolympiade lesen möchte, findet sie in dem Buch „Labyrinthe“, das ab sofort überall im Buchhandel, Online-Buchhandel und direkt beim Verlag (Link) erhältlich ist.

Cover LABYRINTHE, ISBN: 978-3-940036-30-1

LABYRINTHE – Storyoympiade 2015/2016 – Coverkünstler: Lothar Bauer und Timo Kümmel

Buch-Infos:

Labyrinthe (Hrsg. von Martin Witzgall und Felix Woitkowski)
Die besten Geschichten der Storyolympiade 2015/2016

Verlag Torsten Low, 2016.

310 Seiten, Taschenbuch.

ISBN 978-3-940036-39-1

Preis 13,90 Euro.

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