Storyolympiade zeichnet ihre Sieger aus

Storyolympiade 2015/2016 Preisverleihung Buchmesse CON, v.l.n.r. Tatjana Stöckler (Moderation), Günter Wirtz (1. Pl.), Michael Edelbrock (3. Pl.), Daniel Huster (3. Pl.), Joachim Tabaczek (2. Pl.), Torsten Low (Verleger) und Martina Sprenger (Ehrungsmanagement)

Storyolympiade 2015/2016 Preisverleihung BuchmesseCon, v.l.n.r. Tatjana Stöckler (Moderation), Günter Wirtz (1. Pl.), Michael Edelbrock (3. Pl.), Daniel Huster (3. Pl.), Joachim Tabaczek (2. Pl.), Torsten Low (Verleger) und Martina Sprenger (Ehrungsmanagement)

Dreieich. Medaillen in Gold, Silber und Bronze gab es für die Gewinner der Storyolympiade 2015/16 auf dem Buchmesse-Convent in Dreieich. Ausgezeichnet wurden der Erstplatzierte Günter Wirtz, der Zweitplatzierte Joachim Tabaczek sowie Daniel Huster und Michael Edelbrock, die in der Punktewertung gleichauf lagen und sich den dritten Platz teilen. Für den Goldmedaillengewinner gab es zusätzlich eine Siegertrophäe, alle vier Gewinner erhielten einen Büchergutschein vom Verlag Torsten Low und die dort druckfrisch erschienene Anthologie mit den 24 besten Beiträgen zum Wettbewerb.

Günter Wirtz sorgte diesmal für eine Premiere der besonderen Art. Der Autor hatte bereits bei der Storyolympiade 2013/2014 gewonnen, die unter dem Motto „Stille“ stand. Er ist der erste Teilnehmer, der zweimal die Goldmedaille errang.

Die Storyolympiade ist ein internationaler Literaturwettbewerb für deutschsprachige fantastische Literatur. Zur Teilnahme berechtigt sind nur Autorinnen und Autoren, die noch kein eigenständiges Buch veröffentlicht haben. Begründet wurde die Storyolympiade im Jahr 1999 und wurde seither zwölfmal ausgeschrieben, zunächst jährlich, seit 2005 im Zweijahresrhythmus. In den Jahren 2015 und 2016 lautete das Thema „Labyrinthe“, und 219 Kurzgeschichten-Autoren aus sechs Ländern reichten ihre Werke dazu ein.

Bild von Günter Wirtz

Günter Wirtz

Goldmedaillengewinner Günter Wirtz stammt aus Wilnsdorf. Der 50-Jährige ist verheiratet, hat zwei Töchter und einen Hasen und arbeitet als Lehrer für Deutsch und Spanisch an einem Gymnasium. Seine Geschichte „Krickel“ setzte sich mit einer Jurywertung von 160 Punkten deutlich gegen die Mitbewerber durch. Sie handelt von einem Jungen, der mit seinem Käfer an einem Wettkampf teilnimmt. Zwei Teilnehmer setzen ihre Käfer in einem kleinen Labyrinth ab und wetten, wessen Tier als erstes den Ausgang findet. „Die Idee kam mir durch ein Sommerfest, bei dem Käfer gegeneinander in einem Labyrinth-Rennen angetreten sind“, erzählt der Lehrer, der am Wilnsdorfer Gymnasium Deutsch und Spanisch unterrichtet.  „Diese Erinnerung habe ich mit der philosophischen Frage kombiniert: Ist der Mensch ein Marionettenspieler, der das eigene Leben an seinen Fäden hält, oder sind wir Puppen, die von einer höheren Instanz dirigiert werden. Was also, wenn wir selbst Käfer in einem Labyrinth sind, ohne es zu wissen.“

Bild von Joachim Tabaczek

Joachim Tabaczek

Silbermedaillengewinner Joachim Tabaczek erzielte mit seiner Geschichte 146 Punkte – ein denkbar knappes Ergebnis, denn die beiden Drittplatzierten erhielten jeweils 145 Punkte für ihre Beiträge. Joachim Tabaczek lebt in Bardenberg bei Würselen und ist 45 Jahre alt. Von Beruf ist er Softwarearchitekt, was vielleicht ein wenig auf seinen Beitrag abgefärbt hat: In „Wanderjahre“ erzählt er von einem Bewusstsein, das sich in einer virtuellen Welt wiederfindet. Seit Jahrzehnten irrt es von Server zu Server, doch nun ist es auf der Suche nach seinem „Original“. Ein im Cyberspace ansässiger Privatdetektiv kann vielleicht helfen … Allerdings: Ein eigenes Domizil im Internet fehlt dem Autor noch: „So etwas Neumodisches wie eine Homepage habe ich nicht. Zu meiner Zeit  bestand das World Wide Web noch aus ein paar Textseiten am CERN, mehr braucht doch kein Mensch“, sagt der Silbermedaillengewinner augenzwinkernd.

 

Bild von Daniel Huster

Daniel Huster

Bronzemedaillengewinner Daniel Huster ist 27 Jahre alt, gebürtiger Sauerländer, lebt in Dortmund und studiert in Bochum Germanistik und Literaturwissenschaft. Nebenher jobbt er als Zeitungsbote in der City. Eine Zeit lang hat er auch schon als Koch und Friedhofsgärtner gearbeitet. Für seine Horrorgeschichte „Der Flur in der 13. Etage“ in der ein knurriger, an den Höllenhund Cerberus erinnernder Portier eine wichtige Rolle spielt, stand übrigens eine reale Begegnung in Dortmund Pate: „Auf meiner Zeitungstour durch Dortmund komme ich immer wieder an einem Haus vorbei, in dem ein älterer Mann als Pförtner beschäftigt ist“, erzählt Huster. „Er nickt mir zu, trinkt Kaffee und blättert in alten John Sinclair Heftromanen. Es fällt mir unheimlich schwer, diesen Mann einzuschätzen. Freut er sich, mich zu sehen? Will er nur seine Ruhe? Was tut er eigentlich, wenn gerade niemand an seinem Schalter steht? Ist er wirklich so harmlos, wie er aussieht? Am nächsten Abend war die Story fertig.“

 

Bild der Lesung von Michael Edelbrock

Michael Edelbrock (links)

Michael Edelbrock, der zweite Bronzemedaillengewinner, wurde 1980 geboren. Er hatte durch das Rollenspiel seine ersten Begegnungen mit der Phantastik. Michael Edelbrock lebt im Kreis Recklinghausen und schreibt dort seine Kurzgeschichten sowie eine phantastische Saga in Romanform. Er hat bisher einige Kurzgeschichten veröffentlicht und hat sich an der Storyolympiade mit der Geschichte „Das Kristallgrab“ beteiligt. Sein Text ist eine Science-Fiction-Story – oder vielleicht doch eher eine zeitlose Parabel über das Streben des menschlichen Geistes. Er erzählt von einem Forscher, der in einem kristallinen Asteroiden eine Labyrinthstruktur entdeckt, in deren Zentrum er etwas erwartet, das über das menschliche Wesen hinausgeht.

Zum Auftakt des Buchmesse-Convents hatte Michael Edelbrock die Gelegenheit, seine Geschichte vorzulesen, und zog die rund 50 Zuhörer durch seine gekonnte Darbietung und die mit unterschiedlicher Sprachmelodie vorgetragenen Dialog in seinen Bann. Nach der Preisverleihung am Abend las Günter Wirtz seine Labyrinth-Geschichte vor. Auch für ihn gab es viel Beifall.

Wer die Siegergeschichten und 20 weitere ausgewählte Beiträge zur Storyolympiade lesen möchte, findet sie in dem Buch „Labyrinthe“, das ab sofort überall im Buchhandel, Online-Buchhandel und direkt beim Verlag (Link) erhältlich ist.

Cover LABYRINTHE, ISBN: 978-3-940036-30-1

LABYRINTHE – Storyoympiade 2015/2016 – Coverkünstler: Lothar Bauer und Timo Kümmel

Buch-Infos:

Labyrinthe (Hrsg. von Martin Witzgall und Felix Woitkowski)
Die besten Geschichten der Storyolympiade 2015/2016

Verlag Torsten Low, 2016.

310 Seiten, Taschenbuch.

ISBN 978-3-940036-39-1

Preis 13,90 Euro.

Storyolympiade ehrt ihre Sieger 2012

Storyolympiade ehrt ihre Sieger

Siegerehrung der Storyolympiade am Muc-Con 2012

Preisverleihung der Storyolympiade am Muc-Con 2012, von links nach rechts: Simone Edelberg, Tatjana Stöckler, Karin Jacob, Aileen Kopera, Kristina Kesselring und Carla Heinzel.

Mit Medaillen und der „Victor“-Statuette hat die Storyolympiade ihre Sieger ausgezeichnet. Die Siegerehrung mit anschließender Lesung war einer der Höhepunkte des MucCon in München.

Thomas Strehl aus Essen, der Erstplatzierte, musste leider kurzfristig aus beruflichen Gründen absagen. Doch mit der Silbermedaillengewinnerin Karin Jacob aus München und den beiden Drittplatzierten Kristina Kesselring (Ellernstadt) und Aileen Kopera (Bremen) konnte das Team der Storyolympiade drei würdige Preisträger präsentieren. Im – passend zum Wettbewerbsthema – mit Masken geschmückten Raum überreichte Tatjana Stöckel die Trophäen. Außerdem konnte sie die rechtzeitig zum Con erschienene Anthologie „Masken“ mit den besten Geschichten der Teilnehmer vorstellen.

Goldmedaille für Thomas Strehl

StOy-Victor 2012

StOy-Victor 2012 (modelliert von Carla Heinzel) für den 1. Platz an Thomas Strehl

Goldmedaillengewinner Thomas Strehl hatte mit seiner Geschichte „Die Maske des Siegers“ das Traumergebnis von 100 Punkten erzielt. Der Autor wurde 1965 in Düsseldorf geboren und wuchs auf in einem kleinen Dörfchen am linken Niederrhein (Kleinenbroich), bis es ihn im Alter von 29 Jahren – der Liebe wegen -– nach Essen verschlug. Dort lebt er mit seiner Frau, seiner Tochter und einem Jack Russell Terrier (Strehl: „dem verrücktesten und liebenswertesten Hund der Welt“). Außerdem gehört die Fuchsstute Amy zur reitsportbegeisterten Familie.
Thomas Strehl ist Sänger einer kleinen, aber feinen Band, mit der er gelegentlich auftritt.
Veröffentlicht hat er bisher einige Kurzgeschichten in unterschiedlichen Genres. „Da war von Kinderbuch bis zum blanken Horror alles dabei“, erzählt er. Besonders stolz ist er auf eine Veröffentlichung in der Geschichtenweber-Anthologie „“Spukhaus zu verkaufen“. Sein fester Vorsatz: „In Zukunft werde ich weiter an Ausschreibungen teilnehmen und Kurzgeschichten verbrechen. Ideen für eigene Romane sind vorhanden, aber diesen großen Zeitaufwand scheue ich im Moment noch.“ Dabei muss es nicht immer gleich der Blick auf das große Publikum oder die Bestsellerlisten sein: „Eigentlich schreibe ich, um mir selbst Geschichten zu erzählen. Manchmal habe ich nur einen Satz im Kopf, wenn ich mich ans Notebook setze, und überrasche mich beim Schreiben selbst. Dies ist natürlich keine Herangehensweise an einen Roman. Ein weiterer Grund, warum diese Projekte noch auf Eis liegen.“

Karin Jacob holt die Silbermedaille

Karin Jacob

Karin Jacob – 2. Platz

Platz zwei erschrieb sich Karin Jacob mit „Anderland“. Sie erhielt von der Hauptjury 96 Punkte. Die Autorin lebt in München/Lerchenau. Aufgewachsen ist sie in Bad Aibling, seit 2000 in München ansässig. Sie studierte Germanistik, Skandinavistik und Religionswissenschaften. Derzeit arbeitet sie als Technical Writer. Neben dem Schreiben ist ihr großes Hobby „Wandern für Anfänger“, außerdem liebt sie ihren kleinen Garten, wo Salate und Johannisbeeren liebevoll gezüchtet werden, ebenso wie ein traumhafter Fliederbusch.
Im Jahr 2010 veröffentlichte sie mit „Gerupfte Engel“ ihr erstes eigenes Buch. Es handelt sich um einen Lyrikband mit 50 Gedichten, der im WortKuss Verlag erschienen ist. Karin Jacob war auch als Herausgeberin tätig und brachte im Jahr darauf eine eBook-Anthologie mit dem Titel „Die Welt im Wasserglas“ heraus. Außerdem veröffentlichte sie zahlreiche Kurzgeschichten.
Ihre weiteren Ziele und Pläne: „Mich weiter verbessern; irgendwann Ideen umsetzen können, an denen ich bislang scheitere; meinen Roman weiterschreiben und fertigstellen.“
Karin Jacob liest mit Begeisterung Bücher von Stephen King. Außerdem hat sie eine Vorliebe für Goethe und die Märchen von Hans Christian Andersen. Ein großes Vorbild für sie ist der Künstler Oswald Henke.
„Sauer machen mich insbesondere Intoleranz und Ignoranz. Traurig machen mich Menschen, die sich über nichts freuen können, die stets unzufrieden sind und an allem herumnörgeln“, sagt die Autorin. „Ich schreibe für die Freude und gegen die Langeweile. schreibe nicht irgendwie politisch motiviert, es geht mir bei meiner Lyrik vor allem darum, Gefühle in den Menschen zu wecken und vielleicht ein klein wenig Selbsterkenntnis und Denkanstöße, wie man mit sich selbst umgehen sollte, um glücklich zu werden.“ Ein Patentrezept habe sie zwar nicht, aber bestimmte Texte hätten auf sie durchaus eine glücklich machende Wirkung. „Die Worte lösen irgendeine Gedankenkette in mir aus, und manchmal weiß ich dann, wie ich meinen Weg ein klein wenig verändern kann und möchte, um glücklich(er) zu sein.“ Gern kritisiert sie auch Missstände, vor allem wohl die „Ignoranz im Kleinen“, wie das Desinteresse am anderen, die Glorifizierung eines Partners und dergleichen. Manchmal auch machen die Worte und das Spiel mit ihnen ihr einfach Spaß. Ihre Kurzgeschichten sind überwiegend fantastisch. „Hier spuken mir einfach Ideen im Kopf herum, die raus müssen.“

Punktgleich auf dem dritten Platz landeten Kristina Kesselring aus Ellerstadt mit „Dr. Schnabel“ und Aileen Kopera aus Bremen mit „Schöne Gesichter“. Beide Autorinnen sind 25 Jahre alt und erhielten jeweils 94 Punkte von den Juroren.

Bronze für Aileen Kopera

Aileen Kopera

Aileen Kopera – 3. Platz

Aileen Kopera studiert in Bremen English-Speaking Cultures und Hispanistik. Praktische Erfahrungen sammelte sie als Praktikantin bei einem literarischen Verlag und bei einer Firma, die Sprachlern-Apps erstellt. Literatur und Übersetzungen sind auch der Bereich, in dem sie nach dem Studium arbeiten will.
Zu ihren Leidenschaften zählt neben Literatur die Musik. Sie spielt Gitarre und tanzt Flamenco. Außerdem betreibt sie ein Blog über Bücher und Musik. Bei der Storyolympiade des Jahres 2010 war sie bereits erfolgreich: Sie schaffte es mit ihrer Geschichte „Der ursprünglichste aller Zauber“ zwar nicht aufs Siegertreppchen, aber ihre Geschichte wurde in der Anthologie der besten Beiträge mit abgedruckt.
Aileen Kopera ist ein großer Harry-Potter- und Herr-der-Ringe-Fan. Auch liebt sie Michael Ende, der ihre Begeisterung für Fantasy-Literatur geweckt hat. Weitere inspirierende Autoren waren für sie Neil Gaiman und Mervyn Peake.
Allerdings sieht sie das derzeitige Angebot in der Buchhandlung eher kritisch: „In den letzten Jahren bin ich etwas genervt und enttäuscht vom Fantasy-Literaturmarkt. Mir scheint, er wird erschlagen von einer Flut an „Romantasy“, was meiner Meinung nach ein mühselig aufgebautes Image wieder zunichte zu machen droht.“ Nach einigen fabelhaften Titeln wie Harry Potter oder Artemis Fowl, die gezeigt haben, dass Fantasy nicht nur Kinderkram, sondern auch intelligente Unterhaltungsliteratur sein kann, mache der Markt den Eindruck, der Fantasyleser sei zum Kitschleser mutiert. „Ich wünsche mir, dass den „Fantasy-Perlen“, die es schon gab und die es auch jetzt irgendwo gibt, die Aufmerksamkeit zukommt, die sie verdienen“, sagt Kopera, die weniger das Abenteuerliche an der schätzt, sondern Geschichten liebt, die gesellschaftskritisch und zeitgenössisch sind, aber auf eine zeitlose Art, wie zum Beispiel . Momo von Michael Ende. „Wenn ich mir eine Geschichte zusammenspinne, habe ich diesen Anspruch auch an mich. Themen, die mich bewegen, sind zum Beispiel moralische Grauzonen und Gewissensfragen, die Höhen und Tiefen der menschlichen Seele, aber auch globale Themen wie die Zerstörung der Umwelt. Mir gefällt es, aktuellen Themen eine phantastische Note zu verpassen, da so Vieles in der Fantasy einen symbolischen Charakter besitzt, das sich wunderbar als Metapher für unsere „weltlichen Probleme“ eignet.“

Bronze für Kristina Kesselring

Kristina Kesselring

Kristina Kesselring – 3. Platz

Kristina Kesselring ist diplomierte freie Künstlerin und Kunstpädagogin und hat 2011 ihr Studium an der freien Kunstakademie Mannheim abgeschlossen. Sie hat bereits einige Kurzgeschichten aus dem Bereich Fantasy und Horror veröffentlicht und schuf mehrere Titelbilder für phantastische Bücher. Besonders wichtig sei ihr, „das Phantastische hinter dem Normalen zu sehen und zu träumen“, erklärt die Preisträgerin.
„Scheiben bedeutet für mich eine weitere Art, meiner Kreativität Ausdruck zu verleihen und das mit anderen teilen zu können“, sagt die 25-Jährige. „Wie groß diese Gruppe ist, spielt hierbei eigentlich eine untergeordnete Rolle. Man muss nur wissen, dass man nicht alleine ist. Dass es andere gibt, die träumen, wissen und lieben, vielleicht sogar auf ähnliche Weise wie man selbst.“
Ihr Ziel? „Weitere Bilder, Kurzgeschichten und Bücher veröffentlichen und damit ein geistiges Erbe, eine Fußnote in der Welt zu hinterlassen. Meine Gedanken, und Fantasien mit anderen Menschen zu teilen, einige von Ihnen mitträumen zu lassen und sie glücklich zu machen.“
Bereits als Kind hat sie viel gelesen, meistens Fantasy. Direkte Vorbilder habe sie nicht, doch als wichtige literarische Einflüsse nennt sie Anne Rice und Stephen King, Charlaine Harris und Laurell K. Hamilton. „Mein liebster belletristischer Besitz ist die in schwarzen Samt eingeschlagene, Luxusausgabe von Stephen Kings ‚Brennen muss Salem'“, erzählt die Preisträgerin. „Ich mag das Buch sehr weil es eine richtige klassische Horrorgeschichte ist und keine Thriller-Elemente enthält, wie viele seiner späteren Werke.“
Richtig wütend macht die Nachwuchs-Autorin, „dass es auch gute, deutschsprachige Autoren so schwer haben in etablierten Verlagen Fuß zu fassen, weil diese oft ihr Programm mit bereits bewährten Titeln aus Übersee vollstopfen, um das wirtschaftliche Risiko zu minimieren.“ Ein Risiko, das die Organisatoren der Storyolympiade gern auf sich nehmen, um jungen, noch unbekannten Autoren ein Sprungbrett zu bieten.

109 Beiträge zum Thema „Masken“

Insgesamt gingen diesmal 109 Beiträge zu dem Wettbewerb ein. Das Thema „Masken“ hatte damit deutlich weniger Autoren an den Schreibtisch gerufen als in den olympischen Schreibspielen der Vorjahre. Dafür, so war aus den Kreisen der Juroren zu hören, gab es deutlich weniger schlechte oder nicht zum Thema passende Beiträge als bei den vergangenen Wettbewerben. Möglicherweise lag es daran, dass zu dem doch recht speziellen Thema nur wenige Autoren bereits Fertiges in der Schublade liegen hatten, sodass die Beiträge passgenau für diese Ausschreibung geschrieben wurden. In der letzten Runde, als die Hauptjury ihr Urteil sprach, waren nur noch 37 der eingereichten Kurzgeschichten im Rennen.

Anthologie mit den Sieger-Texten

Cover "Masken": Ernst Wurdack unter Verwendung eines Bildes von Igor Molgun/Shutterstock.

Cover „Masken“: Ernst Wurdack unter Verwendung eines Bildes von Igor Molgun/Shutterstock.

Insgesamt fanden 25 Storys Platz in der Siegeranthologie zum Wettbewerb. Das Buch zur Storyolympiade trägt den Titel „Masken“ und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich (ISBN 9783942026352, 210 Seiten, Euro 11,90).

Die Storyolympiade 1999 – 2012

»Adept der Schreibkunst, wir rufen dich zur Story-Olympiade 2000!«, so schallte es vor zehn Jahren vom Olymp. Das heißt: So stand es auf der heute längst verschollenen Internet-Seite http://buerger.metropolis.de/story-olympiade. Es war Sommer 1999, alle Welt war angesteckt vom »Millenniumsfieber«, und die »Jahrtausendwechsel«-Stimmung hatte auch den Webring SF und Fantasy erfasst. »Es war auf dem DORT.Con«, erinnert sich Mitbegründer Ernst Wurdack an das erste Gespräch über eine Story-Olympiade 2000. Einen Wettbewerb für Nachwuchs-Autoren, dessen Sieger jedoch noch im alten Jahr ermittelt werden sollte. (1) Inzwischen kann der Wettbewerb auf eine dreizehnjährige Geschichte zurückblicken.

»Die Story-Olympiade war aus damaliger Sicht etwas Einmaliges«, sagt Stefanie Pappon, die den Wettstreit mit aus der Taufe gehoben hat. »So etwas gab es vorher in Deutschland nicht. Nach dem dritten Wettbewerb kamen die Nachfolger, und inzwischen gibt es ja Ausschreibungen wie Sand am Meer …«

42 Autoren messen sich im »Tanz der Schatten«

Zum ersten Schreib-Agon, der einen roten, blitzförmigen Bleistift im Lorbeerkranz (ein Entwurf Stefanie Pappons) als Logo führte, gingen 42 Texte von insgesamt 31 Autoren ein. Das Thema »Tanz der Schatten« hatte Verfasser fast aller phantastischen Genres inspiriert: Science-Fiction und Fantasy, Märchen, aber auch Horror, Pornografie und eine Liebesgeschichte. Eine extremsadistische Sexstory lag den Organisatoren schwer im Magen. »Wir haben lange überlegt, ob man sie überhaupt veröffentlichen darf, ob es nicht sogar strafbar wäre«, erzählt Stefanie Pappon. Seitdem steht in jeder Ausschreibung, dass pornografische und gewaltverherrlichende Texte unerwünscht sind.

Eine Jury gab es noch nicht. Jeder Teilnehmer bekam zehn Geschichten anderer Autoren zugeteilt, um Punkte für Idee, Story, Sprache und Stil zu vergeben, aber auch dafür, ob Thema und Genre stimmten. Den Sieg errang Olaf Mews mit »Die Sonnenfleckenlottorie«. Die 42 Geschichten wurden in der Reihenfolge ihrer Platzierung im Netz veröffentlicht. Zusätzlich gab es Kurzporträts der zehn besten Autoren in den von Ernst Wurdack betreuten Webring-News.

»Traumpfade« – das erste Buch der Storyolympiade

Nur wenige Monate später, das Jahr 2000 hatte begonnen, rief das Team einen zweiten Wettstreit, ebenfalls unter dem Titel »Story-Olympiade 2000«, aus. Diesmal sollte es erstmals ein Buch mit den Siegergeschichten geben. »Das war so eine spontane Idee von mir«, sagt Ernst Wurdack, der den Druck vorfinanzierte.

Eine weitere Neuerung: Ab jetzt bewertete eine Jury unter Leitung von Stefanie Pappon die Texte. Mitglieder waren Wilfried Bienek, Guido Krain, Lydia Kupi, Klaus von der Landwehr, Judith Tepesch, Marty Witzgall und »zwölf Jurorinnen und Juroren, die ungenannt bleiben wollen« (2), wie es im Buch hieß. Außerdem gab es als Leitfaden für Jury und Teilnehmer den Aufsatz »Wann ist eine Story eine Story?« von der Juryleiterin. Beim ersten Mal waren viele Beiträge eingegangen, die alles andere als eine Kurzgeschichte waren. Im Aufsatz hieß es: »Die Story muss Anfang. Mittelteil und Schluss besitzen. Die Geschichte handelt von einer Figur, die mit einem Problem zu kämpfen hat.« (3) Und auch das musste offenbar gesagt werden: »Eine Story ist SF/Fantasy/Mystery, wenn das zentrale Problem, mit dem die Hauptfigur zu kämpfen hat, eine SF/Fantasy/Mystery-Idee ist oder wenn das zentrale Problem durch eine SF/Fantasy/Mystery-Lösung seine Auflösung findet. Das bedeutet: Wenn man die SF/Fantasy/Mystery-Elemente aus der Story entfernt, ist eine Lösung unmöglich und damit das ganze Storygefüge unbrauchbar. Wenn es ein Western ist, ist es keine SF/Fantasy/Mystery!«

»Traumpfade«, das Thema der zweiten »Story-Olympiade 2000«, inspirierte 41 Autoren, die je eine Geschichte einsandten. Olympisches Gold erhielt Bernhard Schneider mit der SF-Story »Die Wahrheit ist irgendwo«. Das Buch mit den 20 besten Texten erschien im März 2001 in einer Auflage von 250 Stück, im April gab es eine Zweitauflage mit 100 Exemplaren. Auf Seite 2 fand sich bereits der Aufruf zur »Story-Olympiade 2001« mit dem Thema »Geschöpfe der Dunkelheit«.

Erster olympischer Rekord – und ein Gewitter über dem Olymp

Mit 156 Teilnehmern erreichte der dritte Wettstreit seinen ersten olympischen Rekord. Den Sieg erkannte die Jury Sabine Meyer zu, die in »Groome sind ausgestorben« über das Verhältnis von Groomen, Witniks und Zilpen zu einander aufklärte, eine lustige Geschichte über putzige Völker mit unterirdischer Lebensweise. Trotz des düsteren Themas hatten auffallend viele humorvolle Texte die Juroren überzeugt.

Allerdings brauten sich, kurz bevor das Buch in Druck ging, dunkle Wolken über dem Olymp zusammen. Das Donnerwetter brach los, als einer der Autoren in einem Newsletter schrieb: »Wer sich für dieses Buch interessiert, kann es entweder bei Ernst Wurdack oder Stefanie Pappon direkt bestellen, oder schamlos ausnutzen, dass ich als Autor einen Sonderpreis bekomme.« Finanzier Ernst Wurdack sah rot. Er war so wütend, dass er das gesamte Projekt hinschmiss. »Dies ist der Todesstoß für die Anthologie und damit auch für die Storyolympiade«, polterte er in einer Rundmail an die Autoren. »Warum? Weil wir darauf angewiesen sind, eine Menge Exemplare zum Normalpreis zu verkaufen, um die Kosten für Rezensionsexemplare, für Verluste auf dem Postweg, für unsere Telefonate und für unseren Schriftverkehr zu decken. Dies ist durch die obige Meldung und deren rasche Verbreitung im Netz nun nicht mehr gewährleistet. Ich kann nicht als einzelne Privatperson mit ein paar tausend Mark in Vorleistung gehen, wenn ich absolut sicher bin, dass diese Kosten niemals wieder eingespielt werden.« Inzwischen sei eine Stornierungswelle über ihn hereingebrochen, Bestellungen habe es seitdem nicht mehr gegeben. Nach diesem Gewitter verschwand Ernst Wurdack vom Olymp und tauchte unter. Für das Buch sah niemand eine Chance mehr. Erst nach Monaten, als er seine Mailbox öffnete und die vielen Mails von Autoren und Fans der Storyolympiade las, ließ er sich bewegen, das Buch trotzdem herauszubringen. Die »Geschöpfe der Dunkelheit« erschienen in einer 500-er Auflage und als erster Storyolympiaden-Band mit einer ISSN. Inzwischen wird das längst vergriffene Buch in Antiquariaten zum Preis von rund 25 Euro gehandelt, wie Stefanie Pappon kürzlich entdeckte. Die Juryleiterin und Mitherausgeberin verließ nach diesem Wettbewerb das Team. Für ihr Ausscheiden gab sie berufliche Gründe an.

»Storyolympiade Spezial«: Der Wettbewerb bekommt Kinder

Ernst Wurdack hatte inzwischen größere Pläne. Noch vor dem Buch zur »Storyolympiade 2002« (mit dem Ausscheiden Stefanie Pappons verschwand auch der Bindestrich im Wettbewerbsnamen) erschien die Anthologie »Düstere Visionen« als Start der Reihe »Storyolympiade Spezial«. Allerdings auch dies nicht ohne Anlaufschwierigkeiten: Das Elbe-Hochwasser überschwemmte die Dresdener Druckerei, die das Buch herstellte, und so verzögerte sich die Auslieferung.

Die Spezial-Bände überflügelten die jährlichen Wettbewerbsanthologien schnell. Es entstanden die Reihen »Pandaimonion« (dunkle Phantastik, acht Bände), Märchen (sieben Bände) und Science-Fiction (bis heute 16 Bände).

»Es gibt Arbeit zu gewinnen«: ein Ausflug ins Demonwright

Zur vierten Olympiade unter dem Motto »Hexen, Magier, Scharlatane« traten 209 Autoren aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Liechtenstein, England und Russland an. Diesmal gab es außer der Ehre und der Anthologie einen weiteren Preis. »Es gab Arbeit zu gewinnen«, fasste Siegerin Heidrun Jänchen augenzwinkernd zusammen. Die besten Autoren durften einen Roman für die Spezial-Reihe schreiben. So entstand »Der eiserne Thron« von Heidrun Jänchen, Christian Savoy und Andrea Tillmanns. Er spielt in der Welt »Pagan« des Rollenspiels »Demonwright«, dessen Erfinder André Schönherr der Storyolympiade sein Universum zur Verfügung stellte. Allerdings unter der Auflage, dass von jedem Roman höchstens 300 Exemplare gedruckt wurden, um seine Welt nicht zu kommerzialisieren.

Die Demonwright-Episode war nur kurz. Außer dem »Thron« entstanden nur der Gemeinschaftsroman »Schatten über Byzantium« von Ines Bauer, Sabina Luger und Judith Ott sowie »Das vergessene Portal« von Armin Rößler. Ferner gab es eine Anthologie, »Der Griff nach der Macht«, die wegen ihres Covermotivs – einer leicht bekleideten Leder-Amazone mit prallen Pobacken – bei den Autoren den Spitznamen »Der Griff nach dem Arsch« erhielt. Das umstrittene Titelbild sprach der Binsenweisheit »Sex sells« Hohn, seither blieben die Cover Ernst Wurdacks züchtig.

Warum die Demonwright-Serie scheiterte? »Weil die Welt nicht weiterentwickelt wurde, weil kaum einer der angesprochenen Autoren innerhalb des vorgegebenen Rahmens schreiben wollte. Weil sich die Rollenspieler nicht wirklich für Romane interessieren. Es war ein Flop«, so das Fazit Ernst Wurdacks.

Ein dicker Jubiläumsband zum 5. Geburtstag

Für »Strahlende Helden?!«, die Ausschreibung des Jahres 2003, gab es Beiträge von 220 Autoren. Siegfried Dierker belegte den ersten Platz mit der Geschichte »Rota«. Das Buch, das anlässlich des fünfjährigen Bestehens besonders dick war, enthielt 42 Geschichten. Im selben Jahr verschwand der Titel »Größter verlagsunabhängiger Wettbewerb für deutschsprachige Phantastik«, unter dem der Wettstreit seit 2000 gelaufen war, von der Homepage der Storyolympiade. Ernst Wurdack hatte einen Verlag gegründet. »Es lebt«, die Anthologie des Jahres 2004, hatte als erster Olympiadenband einen »eigenen« Verlag und eine ISBN und vereinigte die 36 besten von 337 Beiträgen in sich, darunter die Siegerstory »Schlummernde Schrecken« von Dirk Wonhöfer.

Ab jetzt zweijährig

Da die Arbeit immer mehr zunahm, beschlossen Verleger und Jury, auf einen Zwei-Jahres-Rhythmus umzustellen. So wurde der nächste Wettkampf erst 2006 ausgetragen. Niels Arne Münch bekam von der Jury für »Der Gesang der Trolle« den Sieg zugesprochen. Mit 341 Einsendungen lag die Anzahl der Beiträge nur geringfügig über dem vorigen Wettbewerb. Eine Zahl, die danach nicht mehr gesteigert wurde.

51 Autoren – kein Gewinner-Roman

Der Wettbewerb 2008 brachte für alle Beteiligten eine herbe Enttäuschung. »Diesmal suchen wir etwas anderes«, hatte es euphorisch geheißen. Es sollte nicht um Kurzgeschichten, sondern um Romanmanuskripte gehen. Tatsächlich sandten 51 Autoren ihre Werke ein. Doch schließlich veröffentlichte die Jury die lapidare Information, kein Manuskript habe überzeugen können, es gebe dieses Jahr keinen Sieger. Eine Meldung, die bei vielen Autoren auf Unverständnis, bei manchen auf Wut stieß. Vorwürfe der Arroganz wurden laut. Es könne doch nicht stimmen, dass unter 51 Texten kein einziger druckbar sei.

Ernst Wurdack verabschiedet sich – Geschichtenweber übernehmen

Im selben Jahr gab Ernst Wurdack sein Ausscheiden als Organisator bekannt. Nach zehn Jahren müsse für ihn Schluss sein, er wolle ab jetzt »nur« noch verlegen. Die Autorengruppe Geschichtenweber, der er das Erbe anbot, erklärte sich bereit, den Wettbewerb zu übernehmen. Viele Mitglieder waren bereits als Wettbewerbsteilnehmer und in Wurdack-Anthologien aktiv. Marty Witzgall, der für die neue Website in die Bresche sprang, ist seit dem Jahr 2000 als Jurymitglied mit dabei. Für Organisation und Verwaltung sind Felix Woitkowski und Janko Kockott verantwortlich, die Pressearbeit übernahm erneut Petra Hartmann. Es gibt wie zuvor eine Vor- und eine Hauptjury.

Das neue Thema lautete: »Rache!«. Bis zum Einsendeschluss am 31. Oktober 2009 gingen 241 phantastische Kurzgeschichten ein, aus denen die achtköpfige Vorjury die 33 besten heraussiebte. Die sieben Mitglieder der Hauptjury bewerteten schließlich die Texte nach einem Punktesystem. Bewertet wurden Idee und Originalität, aber auch Sprache und Ausführung der einzelnen Geschichten.

Mit 124 von möglichen 160 Punkten gewann Martina Sprenger den Wettbewerb. Ihre Geschichte »Alle Zeit dieser Welt« erzählt von einer Frau, deren Mann sich plötzlich in ein debil lächelndes Mädchen vom »Barbie«-Typus verliebt, und von einem teuflischen Angebot über ewige Jugendschönheit. Als Zweitplatzierte schrieb sich mit 113 Punkten Daniela Herbst in die Siegerliste der Storyolympiade ein. Sie lässt in »Eine Frage des Prinzips« den Tod persönlich in einen Teufelspakt eingreifen, und seine Rache ist, nun ja, ziemlich gemein. Die Bronzemedaille schließlich ging für »Die Stifte des Teufels« an Silke Walkstein. Die Story erzielte 110 Punkte und berichtet von einem Maler, der vor den Trümmern seines Lebens steht. Ein Päckchen mit fünf unheimlichen Kohlestiften gibt ihm die Gelegenheit, sich an seinen Feinden zu rächen.

Mit »Masken« und »Phantasten«

Mit dem Wettbewerb 2011/2012 schlagen wir nun ein neues Kapitel der Geschichte der Storyolympiade auf. Ernst Wurdack hat sich jetzt als Verleger vollständig zurückgezogen, jedoch zugesagt, das Cover der neuen Anthologie zu gestalten. Für die verlegerische Betreuung zeichnet ab sofort der Verein »Die Phantasten« verantwortlich.

Der Verein »Die Phantasten« wurde am 25. September 2011 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Autoren, Künstlern, Verlegern und Kulturschaffenden, die sich und andere für die unterschiedlichsten Arten der Phantastik begeistern. Zweck des Vereins ist die Pflege und Förderung der Phantastik im Bereich der Literatur sowie in weiteren Medien wie Film, Theater, Musik und bildender Kunst. Gründungsmitglieder sind Dr. Karsten Beuchert, Dr. Ralf Bodemann, Simone Edelberg, Franziska Heyde, Lars Hülsmann, Verena Hülsmann, Tina Low, Torsten Low und Markus Zechmann. Der Vorstand besteht aus Simone Edelberg (1. Vorsitzende), Torsten Low (2. Vorsitzender), Tina Low (Schriftführerin) und Dr. Ralf Bodemann (Schatzmeister).

Inhaltlich und organisatorisch liegt der Wettbewerb weiterhin in den Händen der Autorengruppe Geschichtenweber, in deren Forum das Team der Storyolympiade einen separaten Bereich hat. Die Jurymitglieder sind erneut zum Teil »alte Hasen«, die seit Jahren mit dabei sind, aber auch Teilnehmer und Preisträger der jüngsten Wettbewerbe und weitere Personen aus dem Gebiet der phantastischen Literatur.

Die Storyolympiade der Jahre 2011 und 2012 stand unter dem Motto »Masken«. Bis zum Ausschreibungsende gingen 109 Kurzgeschichten ein. Das sind weniger als bei den Wettbewerben zuvor. Aber die Qualität sei deutlich höher geworden, hieß es aus den Reihen der Vorjury. Möglicherweise liegt dies an dem etwas ungewöhnlichen Thema, zu dem nicht allzu viele Autoren bereits etwas Fertiges in der Schublade gehabt haben dürften. Inzwischen wurden – nach ausgiebigem Vorsortieren und Bewerten in der Vorjury – 37 Texte zur Endrunde zugelassen und an die Hauptjury weitergereicht.

Die Sieger werden im November auf dem MucCon in München präsentiert, auf dem auch die Wettbewerbsanthologie mit den Siegertexten vorgestellt wird. Für die drei besten Autoren gibt es Medaillen, der Erstplatzierte erhält zusätzlich die »Victor«-Statuette der Storyolympiade.

Was wurde aus den Olympioniken?

War und ist die Storyolympiade tatsächlich ein Sprungbrett für Autoren? Und was ist aus den bisherigen Olympioniken geworden? Einige Beispiele von Autoren aus den vergangenen Anthologien: Heidrun Jänchen veröffentlichte inzwischen zwei weitere Romane und eine Kurzgeschichtensammlung. Armin Rößler wird demnächst den vierten Teil seiner Argona-Serie herausbringen. Andrea Tillmanns hat bereits sechs Romane und mehrere Kurzgeschichtensammlungen veröffentlicht. Von Birgit Erwin erschien kürzlich ein sechster Roman. Petra Hartmann veröffentlichte inzwischen den dritten Band ihrer Movenna-Serie und legte kürzlich einen Journalisten-Krimi vor. Bernhard Schneider hat den Roman »Das Ardennen-Artefakt« herausgebracht. Susanne Rauchhaus veröffentlichte bei Ueberreuter »Der Hexenspiegel«.

Ein Fazit einer Autorin: »Es war die berühmte Initialzündung«, schrieb Heidrun Jänchen in einer Umfrage der Storyolympiade. »Da war jemand, der mir zutraute, ein Buch zu schreiben. Plötzlich hatte es einen Sinn, an den Texten so lange zu schleifen, bis sie stimmten, statt sie einfach abzuheften.« Daher dürfen wir auch von den Autoren der neuen Anthologie einiges erwarten. Der eine oder andere wird den Lesern sicher in einigen Jahren auf dem Cover eines Romans wiederbegegnen.

 

(1) Die Verfasserin ist sich der Tatsachen bewusst, dass 1. das neue Jahrtausend erst mit Ende des Jahres 2000 begann, 2. der Begriff »Olympiade« eigentlich die Bezeichnung für den vierjährigen Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen ist und 3. diese erste »Story-Olympiade 2000« eigentlich »Story-Olympiade 1999« hätte heißen sollen. Das hat dem Wettbewerb jedoch nicht geschadet.

(2) Stefanie Pappon und Ernst Wurdack (Hrsg.): Traumpfade. Story-Olympiade 2000. (Hergestellt im Sächsischen Druckzentrum, Dresden, 2001), S. 3.

(3) Zitate aus einer von Stefanie Pappon zur Verfügung gestellten Datei.